Die perniziöse Anämie (Morbus Biermer) ist eine Form der Blutarmut, die auf einem Vitamin-B12-Mangel beruht. Experten verwenden den Begriff „perniziöse Anämie“  aber meist ausschließlich für Anämie-Formen, bei denen im Magen die Bildung des intrinsischen Faktors gestört ist.

Mehr zum Intrinsic Factor: Intrinsic Factor und Vitamin B12.

Neben Vitamin-B12-Anämien gibt es weitere Anämie-Formen, deren Ursache nur teilweise in der Ernährung liegt. Weil das Thema Anämien unüberschaubar groß und die Diagnostik eine Herausforderung sein kann, bat ich eine Expertin, die sich in Theorie und Praxis mit veränderten Blutbildern und ihren Ursachen auskennt, um einen Gastbeitrag: Dr. Annette Pitzer aus Dillenburg (Hessen).

Gastautorin: Dr. Annette Pitzer

Dr. Annette Pitzer ist Heilpraktikerin für integrative Medizin und Psychotherapie, Bloggerin und Gesundheitscoach.

Mit Leidenschaft und Begeisterung beschäftigt sie sich mit allem, was Gesundheit betrifft. Dabei vereint sie Schulmedizin, Naturheilkunde und Schamanismus heilbringend.

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Was ist eine Anämie?

Wenn Du zu den vielen Fans von The Vampire Diaries gehörst, kannst Du Dir vorstellen, warum man die Anämie auch Bleichsucht oder Blutarmut nennt. Bleichsucht, weil die Betroffenen geisterhaft blass aussehen, wie der Hauptdarsteller Paul Wesley.

Eine Anämie ist eine Bluterkrankung, bei der der Hämoglobingehalt und/oder der Hämatokritwert des Blutes erniedrigt sind. Diese Werte sind alters- und geschlechtsspezifisch, sodass man bei der Blutbegutachtung beides immer mitberücksichtigen muss.

Exkurs

  • Hämoglobin: Farbstoff der roten Blutkörperchen (Erythrozyten).
  • Hämatokrit: prozentualer Anteil der Zellbestandteile am Gesamtvolumen des Blutes.

Das Blut nimmt in unserem Körper Sauerstoff aus der Lunge auf und transportiert ihn dann überall in den Körper. Dazu wird der Sauerstoff an die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) angebunden. Jede einzelne Körperzelle benötigt den Sauerstoff, um ihn zu verbrennen und daraus Energie (ATP-Moleküle) zu gewinnen.

Die Erythrozyten werden als Vorstufen bereits im Knochenmark gebildet, reifen ein Stück weit dort auch heran und gelangen erst dann in den Blutkreislauf, wo sie ihren Reifungsprozess beenden.

Damit wir immer genug funktionsfähige Erythrozyten, haben gibt es ein ständiges Nebeneinander der unterschiedlichen Reifungsstufen. Erythrozyten altern schnell und werden im Durchschnitt nach 90 Tagen in unserer Milz abgebaut. Dann schüttet das Knochenmark rechtzeitig die neue Erythrozyten (Retikulozyten) aus.

Anämie – Ursachen gibt es viele

Eine Blutarmut kann vielfältige Ursachen haben, deshalb ist es wichtig, diese für eine effektive Therapie zu kennen. Folgende Ursachen sind am weitesten verbreitet:

  • Verminderte Bildung von roten Blutkörperchen
  • Gesteigerter Abbau von roten Blutkörperchen
  • Geringe Produktion des Hämoglobins
  • Verlust der roten Blutzellen durch Blutungen
  • Mineralstoff- und Vitaminmangel

Einteilung der Formen von Anämie

Anämie durch Bildungsstörungen

Sind die Stammzellen im Knochenmark erkrankt, kommt es zu einer aplastische Anämie. Sie kann genetisch, autoimmun, durch Medikamente (Zytostatika, Antibiotika, Schilddrüsenmedikamente, Antirheumatika etc.), Leberschäden oder viral bedingt sein.

Eine aplastische Anämie kann aber auch durch Mangelzustände entstehen (Eisenmangelanämie) oder es sind Botenstoffe vermindert, die die Blutbildung anregen (Erythropoetinmangel bei schweren Nierenerkrankungen).

Anämie durch einen gesteigerten Erythrozytenabbau

Membrandefekte, Enzymdefekte oder Hämoglobindefekte verkürzen die mittlere Lebensdauer des einzelnen Erythrozyten (korpuskuläre Anämie). Extraerythrozytäre Faktoren wie Medikamente, Infektionskrankheiten, Strahlenschäden, Stoffwechselstörungen etc. zerstören die roten Blutkörperchen.

Anämie durch Blutverlust

Hierzu gehört die Anämie, die durch akuten oder chronischen Blutverlust entsteht. Besonders tückisch sind versteckte Blutungen, wie sie zum Beispiel bei einem Magengeschwür auftreten können.

Wie äußert sich eine Anämie?

Die Beschwerden bei einer Blutarmut sind sehr vielfältig. Da die Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, kommt es zu den Beschwerden wie:

  • Abgeschlagenheit und Leistungsabfall
  • Allgemeine Schwäche
  • Atemnot, vor allem bei Belastung
  • Blässe
  • brüchige Haare
  • Haarausfall
  • Herzklopfen
  • Hohl- oder Rillennägeln
  • Juckreiz
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Mundwinkelrhagaden
  • Nagelveränderungen mit brüchigen Nägeln
  • Schluckstörungen und Zungenbrennen
  • Schwindel
  • trockene Haut

Mineralstoff- und Vitaminmangel als Ursache einer Anämie

In Zeiten, in denen sich Menschen freiwillig vegetarisch oder vegan ernähren, tritt immer öfter Mangelanämie auf.

Eisenmangelanämie

Der Mensch ist darauf angewiesen, Eisen mit der Nahrung aufzunehmen. Fleisch ist hierbei die wichtigste Eisenquelle. Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, muss daher sehr auf eisenhaltige Pflanzenkost setzen und diese gezielt mit Vitamin C, das die Eisenresorption steigert, kombinieren. Zu den zehn besten pflanzlichen Eisenquellen gehören:

  • Kürbiskerne
  • Amaranth
  • Leinsamen
  • Quinoa
  • Getrocknete Linsen
  • Pistazien
  • Pinienkerne
  • Haferflocken
  • Getrocknete Aprikosen
  • Dunkelgrünes Blattgemüse

Störung der Eisenaufnahme

In seltenen Fällen liegt eine Störung der Eisenaufnahme vor, wobei zwar genügend Eisen mit der Nahrung zugeführt, dieses aber nicht richtig aufgenommen wird. Mögliche Ursachen für solche Störungen sind die operative Entfernung des Magens oder von Teilen des Darms, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn, oder die Zöliakie (Glutenunverträglichkeit).

In der Schwangerschaft, in der Wachstumsphase, bei schweren Erkrankungen oder nach größeren Operationen benötigt der Körper eine höhere Eisenzufuhr. Auch Leistungssportler haben einen höheren Bedarf an Eisen. Wird die Nahrung diesem Bedarf nicht angepasst, kommt es zu Eisenmangelzuständen.

Mehr zu Eisen in der Ernährung: Rezepte Vitamin B12 und Eisen

Folsäuremangelanämie

Eine Folsäuremangelanämie tritt bei erhöhtem Bedarf an Folsäure auf. Dieser besteht bei Überproduktion von roten Blutkörperchen aufgrund von Blutzellzerfall (hämolytische Anämie), während der Schwangerschaft, während Phasen starken Wachstums (Pubertät) und auch bei Patienten in chronischer Dialysebehandlung. Aber auch Alkoholiker und Drogenabhängige leiden häufig an Folsäuremangel.

Menschen, die an einer Dünndarmerkrankung wie zum Beispiel Zölliakie erkrankt sind, leiden ebenfalls häufig an einer Folsäuremangelanämie. Hier muss Folsäure gespritzt werden, da es durch Ernährung aufgrund der Erkrankung nicht aufgenommen wird.

Folsäure findet sich vor allem in:

  • Bohnen
  • Haferflocken
  • Pilzen
  • Broccoli
  • Rindfleisch
  • Leber
  • Hefe
  • Spargel
  • Kuhmilch

Mehr dazu: Vit. B12 und Folsäure, gemeinsam sind wir stark.

B12-Mangelanämie

Bei einem Mangel an Vitamin-B12 ist die Zellteilung in den unreifen Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark gestört. Der Blutfarbstoff Hämoglobin in den roten Blutkörperchen wird zwar weiterhin gebildet, doch da sich die Zellen weniger oft teilen können, entstehen sehr große Vorläuferzellen (Megaloblasten) und Erythrozyten (Megalozyten).

Es kommt zu einer sogenannten makrozytären hyperchromen Anämie: Die Anzahl der Erythrozyten im Blut ist vermindert (Anämie, Blutarmut), sie sind aber zu groß (makrozytär) und enthalten pro Zelle mehr Blutfarbstoff Hämoglobin (hyperchrom) als gewöhnlich.

Vitamin B12 kommt nur in tierischen Nahrungsmitteln vor. Auch wenn immer wieder auf veganen Seiten behauptet wird, dass man seinen Vitamin B12-Spiegel auch durch Pflanzen decken könne, zeigen Studien, dass pflanzliche Lebensmittel lediglich minimalste Spuren von B12 aufweisen, die nicht zur Deckung des B12-Bedarfs beitragen können.

Der tägliche Bedarf beträgt etwa vier Mikrogramm. Um Vitamin B12 aufzunehmen, benötigt der Körper ein spezielles Eiweiß, den sogenannten Intrinsic Factor. Der Intrinsic Factor wird von bestimmten Zellen der Magenschleimhaut, den Belegzellen, gebildet. Die Aufnahme von Vitamin B12 ist daher von einer funktionierenden Magenschleimhaut abhängig. Menschen mit chronischen oder autoimmunen Gastriten leiden daher an einer B12-Mangelanämie. In diesen Fällen muss Vitamin B12 intramuskulär gespritzt werden.

Vitamin B12 wird in der Leber gespeichert, sodass sich erst mehrere Jahre nachdem man kein Vitamin B12 mehr zu sich genommen hat, eine Mangelanämie entwickelt.

Weitere Ursachen für eine Vitamin-B12-Mangel-Anämie können sein:

  • Erhöhter Verbrauch von Vitamin B12 durch Parasiten im Darm (zum Beispiel Würmer, vor allem der Fischbandwurm)
  • Operative Entfernung des Magens oder von Teilen des Magens
  • Darmerkrankungen mit gestörter Aufnahme von Nahrungsmitteln (Malabsorptionssyndrom)
  • Bakterielle Überwucherung des Darmes
  • Operative Entfernung von Teilen des Darmes, zum Beispiel bei Tumorerkrankungen

Mehr dazu: Vitamin-B12- und Eisenmangel überwinden

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung einer Anämie richtet sich nach deren Ursache. Eine aussagekräftige Anamnese ist daher das A & O bei einer Anämie. Ist die Grunderkrankung dann bekannt, muss diese vorrangig behandelt werden.

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Fotos: Kateryna Kon/Shutterstock.com; Dr. Annette Pitzer, privat

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Zusammenfassung
Artikelname
Anämien: Formen Ursachen, Symptome und Behandlung
Beschreibung
Anämie ist die Bezeichnung für eine verminderte Hämoglobin-Konzentration im Blut (oder alternativ des Hämatokrit-Wertes) Norm. Gastautorin und Heilpraktikerin Dr. Annette Pitzer aus Dillenburg (Hessen) erklärt die Ursachen, beschreibt Anämieformen, ihre Diagnose und die Behandlung.
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Name des Herausgebers
Urgesunde Ernährung und Naturmedizin
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Dieser Beitrag wurde zuletzt am geändert Oktober 25, 2019 11:44 am