Vitamin B12 und Laktoseintoleranz: Grundlagenwissen

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Vitamin B12 und Laktoseintoleranz Grundlagenwissen
Posted by: Bettina Halbach Category: Vitamin-B12-Wissen Tags: , , , Comments: 6 0

Vitamin B12 und Laktoseintoleranz: Grundlagenwissen

Ein aufgetriebener Bauch, Magengrummeln, Blähungen und Durchfälle nach Trinken eines Glases Milch. Diesen Symptomen kann eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) zu Grunde liegen. Der Betroffene verträgt also den Milchbestandteil Laktose nicht und sollte bestimmte Lebensmittel meiden, darunter auch einige Milchprodukte. Weil es sich dabei um gute Vitamin-B12-Quellen handelt, wirft das die Frage auf, ob der Bedarf an dem lebenswichtigen Vitamin dann noch gedeckt ist. Meine Antwort lautet „Ja“. Aber lies selbst:

Ursachen

Personen mit Milchzuckerunverträglichkeit fehlt das Verdauungsenzym Laktase völlig oder teilweise. Dieses Enzym spaltet den Milchzucker in seine Einzelbestandteile Glucose und Galaktose, die anschließend in das Blut gelangen. Laktase kommt in der Schleimhaut des Dünndarms vor. Wird der Milchzucker nicht gespalten, gelangen größere Mengen in untere, mit Bakterien besiedelte Darmabschnitte, der Milchzucker dient den Bakterien, die hier siedeln, dann als Nährsubstrat. Während sie den Milchzucker verarbeiten, entstehen große Mengen an Gasen und organischen Säuren. Außerdem strömen große Mengen Wasser in den Darm.

Formen

primäre Laktoseintoleranz

Abhängig vom Zeitpunkt des Auftretens der Laktoseintoleranz unterscheiden Experten zwei Formen: der angeborene Laktasemangel ist eine seltene, erbliche Stoffwechselkrankheit. Außerdem gibt es den physiologischen Laktasemangel, der nach dem Abstillen des Säuglings beginnt. Dabei geht die Laktase-Aktivität mit zunehmendem Alter gegen null zurück: Laktoseintoleranz kann im Alter von 20 Jahren bereits auftreten aber auch erst mit 60 Jahren. Diese physiologische Form der Laktoseintoleranz ist weltweit verbreitet, in Deutschland sind 15% der Bevölkerung betroffen. Im Bauplan des Menschen war ursprünglich nicht vorgesehen, dass Erwachsene die Säuglingskost trinken. Mit dem Abstillen verloren unsere Vorfahren die Fähigkeit, Milchzucker im Darm zu spalten, also Milch zu verdauen. Erst mit der Einführung der Viehwirtschaft in Europa entwickelten die Menschen durch Mutation ein Gen, das die Produktion von Laktase im Darm von Erwachsenen möglich machte.

sekundäre Laktoseintoleranz

Der Laktasemangel begleitet eine andere Erkrankung, wie zum Beispiel Zöliakie oder Morbus Crohn. Diese Form kann in jedem Alter auftreten. Wenn die auslösende Erkrankung abgeheilt ist, geht auch die Laktoseintoleranz zurück.

Diagnose

Feststellbar ist die Laktoseintoleranz relativ leicht, mittels eines Milchzuckerbelastungstests oder mittels Gen-Test. Für die Ernährungstherapie ist dann noch wichtig, zu ermitteln, welche Menge der Betroffene zu einer einzelnen Mahlzeit verträgt. Dies geschieht mit einer dreistufigen Testdiät. Denn nur selten ist der Enzymdefekt so ausgeprägt, dass bereits Laktosemengen unter 3g pro Mahlzeit zu Unverträglichkeitsreaktionen führen. Beschwerden treten oft erst bei Laktosemengen von über 12g auf.

Behandlung

Ernährungstherapie

Das Prinzip der Ernährungstherapie besteht darin, den Verzehr von Milch und -produkten sowie von Lebensmitteln, die solche enthalten, einzuschränken. Sauermilchprodukte wie Joghurt, Dickmilch oder Kefir enthalten relativ große Mengen Milchzucker, aber empfindliche Personen vertragen sie häufig gut. Schließlich stecken in ihnen zusätzlich Milchsäurebakterien, die im Darm größere Mengen des Milchzuckers abbauen. Ähnliches gilt für viele Käsesorten: Bei der Käseherstellung wird der Milchzucker durch Fermentation weitgehend abgebaut.

Es ist für die Vitamin-B12-Versorgung von Bedeutung, wenn bei Lactoseintoleranz Sauermilch- und Käseprodukte verzehrt werden können, da hierdurch ein Teil oder der gesamte Tages-Bedarf (4 Mikrogramm) gedeckt werden kann. Sauermilchprodukte sorgen außerdem für eine gesunde Darmflora.

Auch verarbeitete Lebensmittel können Milchzucker enthalten. Wer empfindlich reagiert, der sollte immer die Lebensmittel-Zutatenliste lesen. In Deutschland müssen laut Gesetz alle Zutaten eines Lebensmittels auf der Verpackung stehen, beginnend mit der Zutat, die am meisten enthalten ist und endend mit der Zutat, die in der geringsten Menge vorkommt. Auch die Bestandteile von zusammengesetzten Zutaten sind auf der Verpackung zu deklarieren.

Allerdings gibt es einige Ausnahmen, die für einen hochgradig laktoseempfindliche Patienten wichtig sind: Alle zusammengesetzten Zutaten in Lebensmitteln, für die kein Zutatenverzeichnis vorgeschrieben ist, schließt der Gesetzgeber von der Kennzeichnungspflicht aus. Dazu gehören zum Beispiel Käse und Joghurt. Für Kräuter- und Gewürzmischungen sowie für manche Zutaten, die im EU-Gemeinschaftsrecht geregelt sind, gilt die 2% – Regelung. Sie besagt, dass Hersteller Laktose, die zu weniger als 2% im Endprodukt enthalten ist, nicht deklarieren brauchen. Bei Lebensmitteln mit langem Mindesthaltbarkeitsdatum, wie zum Beispiel Gewürzmischungen, kann Laktose enthalten sein, ohne, dass sie gekennzeichnet ist.

Vorsicht ist auch bei allen unverpackten Lebensmitteln geboten, beispielsweise bei Eis aus der Eisdiele oder in frischem Brot vom Bäcker. Darüber hinaus enthalten Medikamente häufig Laktose, der Patient kann den Arzt oder den Apotheker nach laktosefreien Alternativen fragen.

Spezielle Lebensmittel

Experten entwickelten Convenience-Produkte für Personen, die gegen Laktose empfindlich sind:

Laktase-Präparate

Ein Verzicht auf milchzuckerhaltige Speisen und Getränke ist bei Verwendung Präparaten, die Laktase enthalten, nicht notwendig. Es gibt die Präparate in Apotheken und Drogeriemärkten zu kaufen, als Kaudragees oder als Schlucktabletten und in unterschiedlichen Dosierungen, je nach Bedarf. Sie übernehmen die Funktion des fehlenden körpereigenen Enzyms. Diese Produkte kann Ihr Patient zu den Mahlzeiten einnehmen, sie ermöglichen in der Regel den beschwerdefreien Genuss von Milch und Milchprodukten. Das stellt dann auch die Versorgung des Körpers mit allen in der Milch enthaltenen essentiellen Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen sicher. Hierzu gehören neben Vitamin B12 insbesondere Eiweiß, Kalzium, Vitamin A, Vitamin D.

Laktosefreie Produkte

Supermärkte und Discounter bieten zahlreiche Produkte an, die als laktosefrei deklariert sind: Zum Beispiel Butter, Kekse, Riegel, Milch, Quark und Camembert. Sie sind meist teurer als normale Lebensmittel.

Und Betroffenen können sich den Aufpreis sparen: Beispielsweise Butter enthält nur eine geringe Menge an Laktose: 0,1g pro Esslöffel.

Fazit

Laktoseintoleranz ist ein gängiges Problem, das leicht in den Griff zu bekommen ist sofern Betroffene sich danach ernähren. Weil Sauermilchprodukte und einige Käsesorten auch bei Laktoseintoleranz noch gut vertragen werden, ist die Vitamin-B12-Versorgung dann normalerweise gesichert.

Wer meint, kann zusätzlich auf Laktasepräparate oder auf laktosefreie Produkte zurück zu greifen, einmal, weil er dann frei von unangenehmen Bauchbeschwerden ist und weil er sein Risiko, wegen der Unterversorgung mit Vitamin B12 aus dem Verzicht auf Milch und -produkte als Spätfolge eine Anämie oder eine periphere Neuropathie zu entwickeln.

Die sichere Alternative zur Deckung des Vitamin-B12-Bedarfs bei Laktoseintoleranz ist eine hochwertige Nahrungsergänzung mit Vitamin B12.

 

Kanntest du die Laktoseintoleranz bereits? 

 

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Teil 2: Vitamin B12 und Laktoseintoleranz – Die richtige Kost

Foto: AndrewLozovyi/depositphotos.com

 
Zusammenfassung
Vitamin B12 und Laktoseintoleranz: Grundlagenwissen
Artikelname
Vitamin B12 und Laktoseintoleranz: Grundlagenwissen
Beschreibung
Alles über Vitamin B12 und Laktoseintoleranz: Ursachen, Diagnose und Behandlung der Laktoseintoleranz. Wie beuge ich einem Vitamin-B12-Mangel vor, wenn ich Milch und -produkte nicht vertrage?
Autor
Name des Herausgebers
urgesunde ernährung und naturmedizin
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Comments (6)

  • Jana Reply

    Bei meiner Tochter stand mal der Verdacht im Raum, dass sie eine Unverträglichkeit haben könnte. Zum Glück ist es wohl nicht so! Oh je, ich habe gerade gelesen, wie schlimm Vanessa leiden muss, da kann man froh sein, dass man lebensmitteltechnisch eigentlich alles verträgt und auf nichts wirklich verzichten muss!

    Liebe Grüße
    Jana

    Dezember 13, 2020 at 9:54 pm
    • Bettina Halbach Reply

      Hallo Jana, ja, das kannst Du laut sagen :-))))) liebe Grüße Bettina

      Dezember 14, 2020 at 8:38 am
  • Bettina Halbach Reply

    Hallo Vanessa, vielen Dank für deinen Kommentar, dass bei dir eine Intoleranz für Laktose entstanden ist, nach der Magen-OP tut mir leid. Ich wünsche dir gute Besserung und dass du dich da durchfindest. Alleine schon ein Blähbauch, dass man sich fühlt wie ein Luftballon ist nicht mal so eben abzutun, aber du hast Recht, im Text klingt das alles ganz niedlich, in Wirklichkeit kommt man sich bei Intoleranzen aber je nachdem wie in einer mittelalterlichen Folterkammer vor – Danke für deinen Hinweis. Wobei jeder Fall Lactoseintoleranz verschieden ist, auch die Reaktion auf Laktase. Mit 16.000er Einheiten müsstest du normalerweise so ungefähr 10 g Milchzucker abdecken können – die sind z.B. in einem Glas Milch. Wenn weniger sprichst du scheinbar kaum auf das Präparat an und bist hoch empfindlich? Und bei 50.000 Einheiten müsste deine Bekannte normalerweise über 20 g Milchzucker vertragen, sie scheint aber ebenfalls nicht auf Laktase anzusprechen? Was geschieht, wenn du mal ganz auf milchzuckerhaltige Lebensmittel verzichtest? Dann brauchst du die Laktase ja nicht. Hören die Probleme dann evtl. auf? Sonst würde ich evtl. mal an andere Nahrungsinhaltsstoffe denken – wer zum Beispiel Fructose nicht verträgt und die aber fröhlich aufnimmt, kann ebenfalls im Krankenhaus landen, so schlimm wird das. Das Gleiche gilt für Gluten u.a.m…. lg Bettina

    Dezember 13, 2020 at 9:35 pm
  • Vanessa Reply

    Uh ich bin Laktose Intolerant und ich bin es durch eine Magen Op. Das ist nämlich auch eine Ursache für diese
    Krankheit. Und meine Symptome sind etwas anders als du sie beschreibst. Das klingt bei dir so lieb und
    erträglich. Ich habe Durchfall, mein Kreislauf sackt total ab und ich habe Schmerzen die unfassbar und beschreiblich sind.
    Mein Arzt meinte schon, dass ist alle normal, aber wenns doller wird muss ich bei so einem Anfall ins Krankenhaus.

    Auch die laktase Tabletten sind keine gute Lösung. Ich kann sie nehmen und manchmal klappen sie einfach nicht.
    Eine Bekannte von mir muss 50.000er Tabletten nehmen oder beim Anfall für eine Woche ins Krankenhaus.
    Ich bin bei 16.000 Einheiten Laktase und diese Krankheit ist kein Zuckerschlecken.

    Hab ein wundervolles Wochenende.
    xoxo Vanessa

    Dezember 12, 2020 at 11:34 am
    • Bettina Halbach Reply

      Hallo Vanessa, vielen Dank für deinen Kommentar, dass bei dir eine Intoleranz für Laktose entstanden ist, nach der Magen-OP tut mir leid. Ich wünsche dir gute Besserung und dass du dich da durchfindest. Alleine schon ein Blähbauch, dass man sich fühlt wie ein Luftballon ist nicht mal so eben abzutun, aber du hast Recht, im Text klingt das alles ganz niedlich, in Wirklichkeit kommt man sich bei Intoleranzen aber je nachdem wie in einer mittelalterlichen Folterkammer vor – Danke für deinen Hinweis. Wobei jeder Fall Lactoseintoleranz verschieden ist, auch die Reaktion auf Laktase. Mit 16.000er Einheiten müsstest du normalerweise so ungefähr 10 g Milchzucker abdecken können – die sind z.B. in einem Glas Milch. Wenn weniger sprichst du scheinbar kaum auf das Präparat an und bist hoch empfindlich? Und bei 50.000 Einheiten müsste deine Bekannte normalerweise über 20 g Milchzucker vertragen, sie scheint aber ebenfalls nicht auf Laktase anzusprechen? Was geschieht, wenn du mal ganz auf milchzuckerhaltige Lebensmittel verzichtest? Dann brauchst du die Laktase ja nicht. Hören die Probleme dann evtl. auf? Sonst würde ich evtl. mal an andere Nahrungsinhaltsstoffe denken – wer zum Beispiel Fructose nicht verträgt und die aber fröhlich aufnimmt, kann ebenfalls im Krankenhaus landen, so schlimm wird das. Das Gleiche gilt für Gluten u.a.m…. lg Bettina

      Dezember 13, 2020 at 9:36 pm
  • Vitamin B12 und Lactoseintoleranz:Die richtige Diät Reply

    […] 1 der Serie Vitamin B12 und Lactoseintoleranz informiert, was Lactoseintoleranz ist und darüber, wie Betroffene Vitamin-B12-Mangel vorbeugen. […]

    Dezember 9, 2020 at 8:15 pm

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